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„Früher war alles viel besser!?

Bei einer Straftat erwischt, was nun?

Muss mein Kind jetzt ins Gefängnis?

„Früher war alles viel besser!?

Die Jugendzeit ist eine Phase des Umbruchs vom Jugendlichen zum Erwachsenen. Eine spezifische Kennzeichnung dieser Phase ist das Ausprobieren und das überschreiten von Grenzen.
Vor allem die Peergroup spielt in dieser Zeit der Identitätsfindung eine wichtige Rolle. Durch Mutproben wird die Zugehörigkeit zur Clique bewiesen. Diese Mutproben bewegen sich allerdings öfter am Rande der Legalität.
Aus diesem Grund sind Eltern bzw. andere Erziehungsinstanzen gefordert, die den Jugendlichen ein gesundes Selbstvertrauen mitgeben und ihnen den Unterschied zwischen Streich, normaler pubertärer Auflehnung und Straftat vermitteln. Eigenes Verhalten und Vorleben von Werten und Normen spielen dabei eine maßgebliche Rolle.

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Bei einer Straftat erwischt, was nun?

Für Straftaten von Jugendlichen wird ein spezielles Jugendstrafrecht, das sogenannte „Jugendgerichtsgesetz“, angewendet. Bei der Anwendung dieses Gesetzes spielt zum Zeitpunkt der Tat sowohl die sittliche und geistige Entwicklung des Jugendlichen eine Rolle , als auch die Tatsache, ob es sich um eine Jugendverfehlung handelt.
Vor Vollendung des 14. Lebensjahres gilt ihr Kind vor dem Gesetz als „schuldunfähig“ und kann strafrechtlich noch nicht verfolgt werden. Allerdings heißt das nicht, dass das Fehlverhalten gänzlich ohne Folgen bleibt. Bei Ladendiebstahl droht ihrem Kind ein Hausverbot in dem Geschäft, in dem es erwischt wurde.
Was passiert, wenn mein Kind einen größeren Schaden angerichtet hat?
Ab dem 7. Lebensjahr muss ein Kind für den angerichteten Schaden selbst haften, wenn es von seiner geistigen Entwicklung her in der Lage ist einzusehen, dass durch sein Verhalten ein Schaden entsteht. Außerdem muss der Schaden absichtlich verursacht worden sein. Die Entschädigung wird entweder von einem bestehenden Sparbuch erfolgen oder später, wenn das Kind genügend Geld verdient. Die Eltern werden nur dann zur Haftung herangezogen, wenn ihnen eine Verletzung der Aufsichtspflicht nachgewiesen werden konnte.
Bei 14- bis 17jährigen wird das Jugendstrafrecht angewendet. Auch junge Heranwachsende (18- bis 20jährige) können nach diesem Gesetz behandelt werden. Bei Begehen einer Straftat wird vor dem Jugendgericht die strafrechtliche Verantwortlichkeit geprüft. Während des Verfahrens wird dem Jugendlichen ein/e Jugendgerichtshelfer/in zur Seite gestellt. Vor dem Gericht wird dann entschieden, ob der Jugendliche für die Tat, die er begangen hat, als strafmündig angesehen wird. Ist dies der Fall, so muss mit gerichtlichen Sanktionen gerechnet werden.

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Muss mein Kind jetzt ins Gefängnis?

Im Gegensatz zum Erwachsenenstrafrecht steht beim JGG (Jugendgerichtsgesetz) nicht die Strafe im Vordergrund, sondern der Erziehungsgedanke. Ein weiterer Unterschied ist, dass einer bestimmten Straftat keine eindeutige Strafe zugeordnet wird, sondern dass das Gericht einen Handlungsspielraum bei der Wahl der Sanktionen hat. Es können auch verschiedene Sanktionsmöglichkeiten kombiniert werden.
Die unterste Stufe der Sanktionen sind die Erziehungsmaßregeln, wie z.B. die Weisung, sich um einen Ausgleich mit dem Opfer zu bemühen. Dann erfolgt die Ahndung durch Zuchtmittel. Dazu gehören die Verwarnung, die Erteilung von Auflagen und der Jugendarrest. Die oberste Stufe ist dann der Freiheitsentzug, die Jugendstrafe. Diese Möglichkeit erfolgt aber wirklich nur dann, wenn bisher alle anderen Maßnahmen nicht gefruchtet haben oder wenn auf Grund der Schwere der Tat eine Strafe erforderlich ist.

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